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Sie steht inmitten eines kunterbunten Mixes aus edlen Gläsern, modernen Einrichtungsgegenständen, Lederwaren der Eigenmarke FROHSINN und sogenannten «Real-touch-Blumen». Bei letzteren handelt es sich um täuschend echte Blumen. Schon oft hat sie Kunden beobachtet, die mehrere Minuten um die bunten Sträusse herumkreisten und rätselten, ob sie da nun eine echte Pfingstrose vor sich haben oder eben doch nicht. Die Besitzerin des Concept Stores FROHSINN, Claudia Silberschmidt, klärt die Kunden dann jeweils auf.
Sie ist es übrigens auch, die sie in London entdeckte. Auf einem Antiquitätenmarkt inmitten von verschollenen Schätzen hat die Ladenbesitzerin genau sie ausgesucht: die weisse Schale mit den verschnörkelten Linien auf der Aussenseite. Dass es sich bei ihr um eine seltene Linck-Schale aus den 40er-Jahren handelt, war weder dem Herrn, der sie verkaufte, noch Claudia Silberschmidt, die sie erstand, bewusst. Und so wechselte das wertvolle Keramik-Objekt also für wenig Geld den Besitzer und wurde dann behutsam in einen Lieferwagen gepackt – umgeben von Kristallgläsern, Porzellanschalen und anderen Trouvaillen, die Claudia Silberschmidt auf ihrer Europareise gekauft hatte. Anschliessend ratterte der kleine Lieferwagen mitsamt der Schale heimwärts: von London nach Paris, von Basel nach Zürich, um schliesslich an der Mainaustrasse 42 im FROHSINN, dem Flagship-Store von Claudia Silberschmidt, einzutreffen.
Dass der Ladenbesitzerin mit dem Kauf der Schale ein richtiger Coup gelungen war, wurde ihr erst bewusst, als sie den gezeichneten Fisch – das Signet der berühmten Keramik-Handwerkerin Margrit Linck – auf der Unterseite der kunstvoll geformten Schale entdeckte. Aber nicht etwa des Vermögenswerts wegen hütet Claudia Silberschmidt sie auch heute noch, rund neun Jahre später, wie einen seltenen Schatz: «Die Schale hat einen grossen emotionalen Wert für mich. Sie steht für den Beginn meines Concept Stores FROHSINN, der bei der Europareise mit dem Lieferwägeli seinen Anfang genommen hat.»

Eine schicksalhafte Begegnung

Doch auch ausserhalb von Europa findet Claudia Silberschmidt Kostbarkeiten für ihren Concept Store. Beweis dafür ist eine Vase, die ordentlich neben der Linck-Schale platziert ist. Im Gegensatz zu ihrer Nachbarin, die sich in einem eleganten Weiss präsentiert, ist die Vase mit bunten Formen und Ornamenten verziert. Auch sonst ist sie die Exotin unter den Keramikwaren, stammt sie doch aus dem nordafrikanischen Marokko. Ihre Schöpferin, die aus dem marokkanischen Casablanca stammt, trägt den wohlklingenden Namen Bouchra Boudoua. Claudia Silberschmidt ist während einer ihrer Reisen auf die Künstlerin gestossen. Obschon die beiden exakt 2558 Kilometer trennen, fühlt sich Claudia Silberschmidt mit ihrer Kollegin aus Marokko verbunden: «Bouchra Boudoua wuchs neben dem Atlas-Gebirge auf und auch für mich als Appenzellerin sind die Berge mein Zuhause. Meine Wurzeln finden sich oft in meiner Arbeit als Designerin wieder.» Und so entstand also eine Zusammenarbeit, die der Distanz trotzt. Schon im Jahr 2023 wird Bouchra Boudoua eine eigene Kollektion für den FROHSINN kreieren. Dann werden also noch mehr mit Ornamenten verzierte Vasen im Einrichtungsgeschäft stehen, die sich alle ein klein wenig voneinander unterscheiden. Und das muss auch so sein, findet Claudia Silberschmidt: «In der Imperfektion liegt der Charme. Man muss das Handwerk spüren.»

Eine weisse Schale aus London. Eine bunte Vase aus Marokko. Zwei so ganz unterschiedliche Geschichten, die sich im FROHSINN begegnen. Claudia Silberschmidt könnte noch viel mehr berichten: von selbst entworfenen Teppichen, die ihren Ursprung bei nordamerikanischen Ureinwohnern fanden – um dann den Holzboden eines Schweizer Chalets zu schmücken. Von edlen Streichholzbehältern aus vergangenen Zeiten, die die Interior Designerin neu interpretiert hat und nun in ihrem Laden verkauft.
Die Quintessenz dieses Textes: Der FROHSINN an der Mainaustrasse ist ein Ort der Geschichten – und Claudia Silberschmidt kennt sie alle.

FROHSINN – wo neue Designs auf alte Trouvaillen treffen
Claudia Silberschmidts Schätze stammen nicht nur von ihren Entdeckungstouren – die Innenarchitektin und Interior Designerin entwirft auch ihre eigenen Kollektionen. Dabei geht es ihr nicht darum, die Design-Welt neu zu schreiben: «Ich bin keine Erfinderin. Ich lasse mich von Bestehendem inspirieren und entwickle es weiter, verbessere es, bis schliesslich eine neue Kollektion entsteht.» So beispielsweise geschehen beim alten Streichholzbehälter aus den 60er-Jahren, auf den Claudia Silberschmidt bei einem ihrer Innenarchitektur-Projekte gestossen ist. Man nehme also eine Entdeckung aus vergangenen Zeiten, einen Löffel Fantasie, hochwertiges Leder aus Indien und eine Handvoll Humor… und fertig sind die edlen Streichholzbehälter, die nun in verschiedenen bunten Farben im FROHSINN zu kaufen sind.

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